Es gibt diese eine Sorte Ratschlag, die sich seit dreißig Jahren hält: Licht aus beim Rausgehen, Deckel auf den Topf, Stecker ziehen. Nichts davon ist falsch. Nur steht der Aufwand selten im Verhältnis zum Ertrag — und während man überlegt, ob die Nachttischlampe wirklich nötig ist, läuft im Nebenraum ein Gerät, das in zwei Stunden mehr verbraucht als die Lampe in zwei Monaten.
Rechnen wir das einmal durch
Ein Wäschetrockner zieht pro Ladung rund 3,2 kWh. Wer zweimal pro Woche trocknet, kommt auf etwa 330 kWh im Jahr. Bei 25 Cent je Kilowattstunde sind das rund 83 Euro — für ein Gerät, das man vielleicht zehn Minuten pro Woche bewusst wahrnimmt.
Wer vier- oder fünfmal pro Woche trocknet, weil Kinder im Haus sind, landet bei 170 bis 210 Euro. Das ist der Punkt, an dem der Satz „Strom ist halt teuer geworden" aufhört, eine Beschreibung zu sein, und anfängt, eine Entscheidung zu sein.
Zum Vergleich: Eine LED-Lampe mit 9 Watt, die jeden Abend vier Stunden brennt, kostet im Jahr 3,30 Euro. Man müsste also fünfzig Lampen abschalten, um einen Trockner auszugleichen.
Es geht nicht darum, nichts mehr zu benutzen. Es geht darum, zu wissen, welcher Knopf wie viel kostet.
Die ehrliche Rangliste
In fast jedem Haushalt sieht die Reihenfolge ähnlich aus. Oben stehen die Geräte, die Wärme erzeugen oder dauerhaft laufen:
- Alles, was heizt — Trockner, Backofen, Heizlüfter, Wasserkocher. Wärme aus Strom ist immer teuer.
- Alles, was nie ausgeht — Kühlschrank, Gefriertruhe, alte Heizungspumpe, Standby-Geräte. Kleine Leistung, aber 8.760 Stunden im Jahr.
- Alles, was lange läuft — Rechner, Fernseher, Beleuchtung. Hier entscheidet die Nutzungsdauer, nicht das Datenblatt.
Erst danach kommt der ganze Rest. Und genau deshalb bringt es wenig, sich beim Handy-Ladegerät zu kasteien, solange eine Gefriertruhe aus den Neunzigern im Keller vor sich hin brummt.
Was wirklich hilft
Drei Dinge, in dieser Reihenfolge:
Erstens: Wäsche aufhängen. Nicht immer, nicht aus Prinzip — aber im Sommer ist ein Wäscheständer im Schatten schneller als jeder Trockner und kostet nichts. Wer die Hälfte der Ladungen einspart, spart die Hälfte des Geldes. So banal ist das.
Zweitens: das älteste Dauerläufer-Gerät ersetzen. Ein Kühlschrank von vor 2005 braucht oft dreimal so viel wie ein neues Gerät. Bei 160 statt 450 kWh im Jahr sind das 70 Euro jährlich — ein Neugerät hat sich in wenigen Jahren bezahlt und hält danach weiter. Das ist einer der seltenen Fälle, in denen Wegwerfen und Neukaufen tatsächlich die grünere Variante ist.
Drittens: Standby bündeln. Nicht Stecker ziehen — Steckerleiste mit Schalter. Sechs Geräte im Standby kosten rund 90 kWh im Jahr. Das sind keine 23 Euro, also keine Revolution. Aber es ist der einzige Posten auf der Liste, der sich mit einem einzigen Handgriff pro Tag erledigt.
Und die Moral?
Keine. Wer gern trocknet, soll trocknen. Der Unterschied ist nur, ob man es tut, weil man es braucht, oder weil man nie nachgerechnet hat. Nachhaltigkeit scheitert selten am Wollen. Sie scheitert daran, dass niemand sagt, wo die großen Zahlen stecken.
Jetzt weißt du's. Der Rest ist Wäsche.